Die Burger-Burg

Wenn du dich über mehr als drei Jahrzehnte als Hobbykoch in deiner Freizeit betätigt hast, kehrt Gelassenheit ein. Im Grunde hast du sämtliche Lafer-Rezepte mehr oder weniger durch, das große Italien-Kochbuch verinnerlicht und das französische Küchen-Einmaleins irgendwie auch drauf. Was soll dich da erschüttern?

 

Als eine Essenseinladung an Maria und Lutz anstand, gesellte sich zur Gelassenheit, Souveränität und – ja auch das – eine leicht lässige Überheblichkeit. Die gipfelte in der Feststellung: „Sagt, was ihr gerne essen wollt – ich mach’s!“

Das schöne am Hobbykochdasein ist ja, dass du nur kochst, was du auch selber magst. Ein Profi kann das so nicht. Selbst wenn ihm beispielsweise Innereien aus dem Hals heraushängen, muss er Nierchen machen, weil sie halt auf der Karte stehen.

„Burger!“ antworteten Maria und Lutz unisono.

„Jetzt echt?“ versuchte ich einzuwirken.

„Ja klar, ist doch riesig!“ entschieden die Beiden definitiv.

Ups, Burger, das hatte ich noch nie im Repertoire, weil ich sie eigentlich nicht mag: meistens zu fettig, meistens schwierig zu handhaben – Messer und Gabel nicht wirklich, per Hand brauchen Menschen wie ich Waschbecken und Duschhandtuch in der Nähe.

Nun also Burger.

Ich nahm’s sportlich und ging tags drauf in eine der angesagtesten Burger-Lokalität der Stadt, um die Dinger auszuspähen – ein Erlebnis: optisch, geschmacklich, vielfältig.

Auch online war ich akribisch und wälzte mich durch mindestens 20 Websites mit gefühlten 200 Rezeptvarianten. Daraus bastelte ich mir meinen Burger-Klassiker, probte, aß, änderte, variierte.

In Ermangelung einer dieser höchst praktischen Burgerpressen, war alles Handmade. Maria und Lutz bekamen eine Burger-Burg serviert – ganz unauffällig platzierte ich dazu jeweils riesengroße Stoffserviettentücher aus dem Bestand von Tante Anna’s Erbe.

Wir sprachen nicht viel am Küchentisch, stattdessen zerlegte jeder mampfend-konzentriert seine Burger-Burg und schaute irgendwie glücklich drein.

Dazugelernt? Ja klar! Einfach was anderes ausprobieren, kann Hobbykoch-Horizonte erweitern.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0