Draufgänger der Neuzeit

Ein Blick auf die Gäste beweist: Darum sind Männer am Herd, die wahren Draufgänger der Neuzeit.

 

„Wann schiebst Du mal wieder einen Schweinsbraten ins Rohr?“ lechzte letztens erwartungsfroh Christian via Skype. Und präzisierte seine kulinarische Lust: „Den mit Saft?“

Christian stammt aus Österreich. Und da nennen sie Sauce Saft, weil sie nicht angedickt wird. Die Aussicht auf Schweinsbraten und Wiedersehen mit Christian - hach, es gibt Menschen, für die kochst du echt gern.

Besonders dann, wenn sie signalisieren, wie gut es ihnen schmeckt. Du freust dich wie Bolle auf den Moment des Zusammenseins, der Stille, wenn der erste Bissen im Mund verschwunden ist – und auf zufriedene Gesichter: Leere Teller schütten bei jedem Hobby-Koch Glückshormon-Schwärme aus.

Es gibt allerdings auch Menschen, für die kochst du GAR NICHT GERN, musst du aber ab und wann: beispielsweise für Schwiegermama mit Tante Itti im Schlepptau zu Ostern. Diese Kombination bedeutet: herumquengeln. Über das Fleisch, über die Sauce, über die Beilagen. Und: Oma Mathilde – der liebe Gott hat sie seit Jahren hautnah unter seinen Fittichen – kochte eh immer alles besser.

Oder Sabine.

Sabine ist Freundin. Gute Freundin. Sonst wäre sie längst auf der Gäste-Streichliste. Es gibt kein Gericht, über das Sabine nicht klugscheißert:

„Du, muss DA nicht eine Prise Safran dran...“.

Super auch: „Damals im Dingsbums war noch ein Hauch Kümmel zu spüren, meine ich.“

Geht’s noch?

Ruhig durchatmen!

 

Vergessen wir Christian, Schwiegermama, Tante Itti und Sabine – kommen wir zur Beantwortung der Frage: Für wen kochen Männer überhaupt?

 

Es gibt Kernzielgruppen:

> Ehefrau/-mann, Partner/-in, Töchter, Söhne, Freunde, die auch bei Bratkartoffeln und halben Hähnchen fröhlich lärmen, weil sie sich einfach wie ein Honigkuchenpferd übers Wiedersehen freuen. Kochen hat da was Verbindendes. Zugegeben, auch in diesem Kreis ist es nicht immer einfach, appetitlich auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, aber machbar.

> Menschen, für die du nichts kannst. Das sind die, die durch Partner/in, Töchter, Söhne, Freunde an deinem Tisch platziert werden, ob du es willst oder nicht. Schwiegersöhne in spe etwa. Wenn die Fettphobiker, Trennkost-Enthusiast, Frutarier oder gar Fast-Food-Fan ohne Leidenschaft für genussvolles Essen sind – schrumpft die Auswahl aus deiner üppigen Kochkladde auf das Format von ein paar Oktavheftseiten. Klasse für jeden Hobbykoch sind auch mitgebrachte Kinder in der Bockig-Phase vor einer Schüssel Pesto: „Das Grüne esse ich nicht!“

Gruppe drei ist eine Mixed Zone – auch für die kannst du meistens nichts. Da gibt es Frauen wie die gute Freundin der Dame deines Herzens, die mit ihrem jugendlichen Lover erscheint; das halboffizielle Geschäftsessen mit einem wichtigen Kunden, inkl. Haus- und Besitzstanddemonstration; und es gibt die Freizeitkollegen/-innen aus Frauengemeinschaft, Laienschauspielgruppe und Schützen- oder Karnevalsverein (manchmal Beides).

Quasi als Topping mischen sich noch die Sich-gerne-Selbsteinlader unter die Kernzielgruppen. Die appen dich supergerne an, Uhrzeit piepegal und chatten, ob es gebongt ist, wenn Sie Sonntag zum Essen kommen. Ihre Motive differieren. Sie reichen von „Ebbe in der Kasse“ (insbesondere bei den eigenen Kids ein beliebtes Motiv) über „der Inhalt des eigenen Kühlschranks ist in bemitleidenswert leerem Zustand“, „keine Lust einzukaufen, oder gar selbst zu kochen“ bis hin zur „Suche nach Seelentrost in misslicher Lebenslage“.

Erahnt ihr jetzt, warum Männer am Herd, die wahren Draufgänger der Neuzeit sind?

 

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